Gerne teile ich hier meine Zusammenfassung zur Wanderung auf dem Camino del Norte. Meine täglichen Berichte findet Ihr auf meinem Journi
Ich begann meinen Camino del Norte ab San Sebastian da ich mit Iberia auch dort landete. So ersparte ich mir 30 km und zwei knackige Steigungen ab Irun, was viele als offiziellen Startpunkt wählen.
Die ersten 3-4 Tage gehörten zu den härtesten Abschnitten welche ich auf den verschiedenen Caminos gelaufen bin. Immer wieder musste ich steile, steinige und teilweise matschige Auf- und Abstiege überwinden. Kaum in einem kleinen Küstenort angekommen wartete schon wieder der nächste Aufstieg.
Aber natürlich wird man auch immer wieder mit tollen Ausblicken auf das Meer und die Strände belohnt. Vielfach hat man die Option den offiziellen Weg für eine Alternative näher an den Klippen zu verlassen. Mir war das, speziell im regnerischen Wetter, zu anstrengend und teilweise auch zu gefährlich, weshalb ich nur einen Teil der legendären Views geniessen konnte.
Am vierten Tag erreichte ich die Stadt Guernica. Hier gibt es keine Altstadt da der Ort 1937 während des spanischen Bürgerkrieges bei einem Luftangriff von Deutschen sowie Italienischen Truppen zerstört wurde. Picasso hat daraufhin die Schrecken der modernen Kriegsführung im bekannten Gemälde „Guernica“ festgehalten.
Ab Guernica waren es nur noch 11 km bis Bilbao, was ich daher schon gegen Mittag erreichte. Leider ist das bekannte Guggenheim Museum jeweils Montags geschlossen, so dass ich nur Aussenaufnahme des legendären Gebäudes machen konnte.
In Bilbao genoss ich die kulinarischen Möglichkeiten einer Großstadt bevor ich die letzte Etappe im Baskenland nach Portugalete lief.
In Kantabrien wurden die Wege angenehmer. Zwar musste ich weiterhin die An- und Abstiege an die Küsten meistern, aber anstatt matschiger Geröllhalden waren es jetzt meistens gut ausgebaute Wege. Dafür musste ich auch viele Kilometer auf Asphalt laufen was sich bei den Knien bemerkbar machte.
Die ersten Tage blieb das Wetter weiterhin kühl und regnerisch. Aber zum Glück waren die Schauer meist von kurzer Dauer oder starteten erst nach meiner Ankunft am Ziel.
Ab Laredo hatte ich eine kurze Fährüberfahrt nach Santoña. Zwei Tage später folgte eine zweite Fährüberfahrt ab Somo nach Santander. Auf dem Weg zur Fähre wurden ich mit einigen weiteren Pilger von einem Gewitterregen überrascht so dass ich Santander mit völlig durchnässten Socken und Schuhe erreichte.
In Santander hatte ich meinen einzigen Pausentag eingeplant, was sich als Fehler erwies. Erstens gab die Stadt nicht viel her, so dass ich die Sehenswürdigkeiten bereits am Nachmittag meiner Ankunft abklappern konnte, und zweitens war das Wetter auch weiterhin ziemlich wechselhaft.
Die nächste Etappe von 30km nach Viveda, verlief zuerst durch die trieste Vorstadt und mehrheitlich auf Asphalt. Dafür wurde ich aber mit schönem Wetter begrüsst.
Am nächsten Tag plante ich nur 17km ein und hatte genügend Zeit in Santilla del Mar einen längeren Kafistop einzulegen. Dieses Dorf wird mit seinen alten Steinhäuser, in welchen jetzt neben Hotels oder Pensionen auch viel Boutiquen, Souvenirläden und Restaurants untergebracht sind, als einer der schönsten Orte auf dem „Norte“ erwähnt.
Es folgte eine schöne Etappe nach San Vincente de la Barquera, auf welcher ich vielfach in Sichtweite des Meeres lief und im Hintergrund die Schneebedeckten Berge sehen konnte.
Die letzte Etappe in Kantabrien führte weg vom Meer ins Landesinnere nach Colombres, wo sich der Camino Norte die Strecke teilweise mit dem Camino Lebaniego teilte, was auf den Markiersteinen mit beiden Symbolen sichtbar wurde.
Die ersten zwei Etappen in Asturien, lief ich ohne Meerblick. Dieses zeigte sich erst wieder kurz vor meiner Ankunft in Ribadesella.
In Ribadesella wohnte ich gleich in der Nähe des langen Strandes, aber leider etwas abseits der Altstadt. Nach meiner Ankunft hatte ich in einem Strandcafe eine nette Unterhaltung mit einem Pilgerpaar, welche hier Ihre Wanderung beendeten.
Die nächsten Tage kämpfte ich immer wieder mit der Hitze. Vielfach lief ich mit Strandblick aber leider häufig ohne Schatten.
In Villaviciosa traf ich mich mit meiner Caminobekanntschaft Linda zum Lunch und Drinks.
Wegen der Hitze von gegen 30 Grad, habe ich meine Pläne, für die nächsten 2 Tage angepasst und eine Zwischennacht in einem Hostel in Peon eingeplant um nicht 30 Km mit zwei happigen Steigungen laufen zu müssen.
So erreichte ich Gijon in zwei kurzen Tagesetappen a je ca 15km. Durch die eine Nacht im Hostel lief ich den zweiten Tag in Gesellschaft von 4 deutschen Pilgern welche auch im Hostel waren. So war es unterhaltsam und kurzweilig.
In Gijon traf ich dann nochmals Linda zu einem „Abschiedsessen“ im La Mafia. Für Sie war Gijon das Ende Ihrer geplanten Etappen.
Die erste Teilstrecke ab Gijon habe ich mit dem Zug bis Piedras Blancas abgekürzt. Zum einen konnte ich so die als hässlichste Strecke auf dem Norte beschriebene Etappe auslassen und hatte meine ausserplanmässige Zusatznacht in Peon wieder „aufgeholt“.
Es folgten zwei harte aber schöne Etappen die sich wie auf einem Rollercoaster anfühlten. Es war ein ständiges Auf- und Absteigen. Gleich zu Beginn traf ich auf Eefja aus den Niederlanden mit der ich ungefähr 3 Stunden lief.
In Cadavedo hatte ich ein Hotel welches wunderschön an einer Klippe gelegen ist. Am nächsten Tag erreichte ich das schöne Luarca. Es war ein spezieller Tag mit einer Tavolata am Hafen. Einheimische brachten Ihr eigenes Essen mit und verzehrten es gemeinsam an langen Tischen und Bänken.
Die nächsten 3 Tage bis Ribadeo lief ich dann mehrheitlich alleine. Ich hatte jeweils kurze Begegnungen mit einem Franzosen sowie einem amerikanischen Paar welche die gleichen Etappen liefen.
Für die Ankunft in Ribadeo muss ich am Schluss noch eine 600 Meter lange Brücke überqueren, bei welcher ich mich wegen des starken Windes einige Male am Geländer festhalten musste.
Ribadeo war der letzte Ort um das Meer zu sehen. Von hier führte der Camino ins Landesinnere.
Ich knüpfte schnell neue Kontakte. Die ersten zwei Tage lief ich teilweise mit Piotr einem jungen Polen, den ich jeweils bei meiner ersten Frühstückspause in einem Cafe traf.
Später lief ich dann regelmässig mit dem Deutschen Uli, den ich auch zuerst bei einem Kafistop kennen lernte. Die ersten Tag trafen wir uns immer wieder unterwegs. Später verabredeten wird uns dann bereits zum Frühstück bevor wir gemeinsam die Etappen meisterten.
In Galicien waren die Wege meist sehr gut ausgebaut so dass man sich problemlos unterhalten konnte, ohne dass man bei jedem Schritt aufpassen musste.
Sobrado dos Monxes mit dem Imposanten Kloster erreichten wir zusammen mit Markus, den wir auch schon vorher kennen gelernt hatten.
Zu Dritt liefen wir dann bis nach Arzua wo wir uns von Markus verabschiedeten da er noch einige Kilometer weiterlief um Santiago am nächsten Tag zu erreichen.
Uli und ich entschieden uns für die gemütlichere Varianten mit je 20 km und hatten nach Arzua noch eine Übernachtung in O Pedrouzo wo wir ein frühes Dinner im „Taste the Way“ einem kleinen feinen Restaurant, dass ich aus vergangenen Caminos kenne, genossen.
Bereits in Arzua war es vorbei mit dem ruhigen Pilgerleben. Ab hier liefen wir die letzten 40 Kilometer auf den Camino Frances .
In O Pedrouzo wurde es noch schlimmer was ev. auch damit zusammenhing das wir an einem Samstag in Santiago einliefen. Beim Frühstück mit Uli hatten wir um 07:00 bereits eine grosse Schulklasse im Kaffee die sich für die letzten 20km stärkten.
Gegenüber dem Vortag war die letzte Strecke weniger Attraktiv dafür wurden wir am Ziel von Markus mit kalten Getränken erwartet.
Nach den ersten sehr anstrengenden Tagen auf den steinigen und matschigen Geröllpfaden gepaart mit dem anfänglich nicht optimalen Wetter, war ich lange skeptisch was ich aus diesem Camino Positives mitnehme. Ehrlich gesagt wurde mir erst Zuhause nach der Durchsicht meiner Bilder bewusst, warum viele diesen Camino als den schönsten empfinden.
Da ich gerne auf steinige Geröllhalden verzichten kann, würde ich in Zukunft diesen Camino erst ab Bilbao laufen. Man hat auch mit diesem Startpunkt immer noch einige sehr schöne Küstenabschnitte für welche der Camino del Norte bekannt ist und ein reduziertes Unfallrisiko 😉